eindachhof
Wie kann ein historischer Schwarzwaldhof zu einem Ort für Wohnen, Lernen und ökologische Kreisläufe werden? Der denkmalgeschützte Eindachhof in Elzach hat seine ursprüngliche landwirtschaftliche Nutzung durch die Trennung von den zugehörigen Wald- und Feldflächen verloren. Aus dem ehemaligen Wohn- und Wirtschaftsgebäude entsteht nun ein neuer Ort, der gemeinschaftliches Wohnen, Handwerk, Bildung und permakulturelle Landbewirtschaftung miteinander verbindet. Das Projekt versteht den Hof nicht als einzelnes Gebäude, sondern als Teil eines größeren landschaftlichen Systems. Mühle, Mühlbach, ehemalige Fischweiher, Feuchtwiese, Obstbaumhang und Quelle werden als zusammenhängende Elemente betrachtet, die erhalten, aufgewertet und neu genutzt werden. So entsteht ein Permakulturzentrum, das Eigenversorgung, Weiterbildung und regionale Vernetzung in eine neue Form des ländlichen Lebens übersetzt.

ein historischer Hof als gemeinsamer Lebens-, Arbeits- und Lernort
ein historischer Hof als gemeinsamer Lebens-, Arbeits- und Lernort


Wie kann man eine denkmalgeschützte Struktur erhalten und zugleich in eine neue Zukunft tragen? Das Haupthaus wird in seiner prägenden Struktur gesichert und durch neue Fundamente sowie eine ergänzende Tragstruktur aus Holz stabilisiert. Gerade dort, wo historische Substanz und neue Konstruktion aufeinandertreffen, entsteht ein zentrales Thema des Entwurfs. Die Anschlüsse werden nicht versteckt, sondern handwerklich präzise ausgebildet und als gestalterischer Mehrwert sichtbar gemacht. Betonierte Unterfangungen und neue Sockel werden bewusst breiter als bestehende Wände und Stützen ausgeführt. Dadurch lassen sie sich konstruktiv sauber herstellen und entwickeln zugleich neue Gesimse, Ablagen und prägende Elemente in der Sockelzone. Ressourcenschonende und lokale Materialien werden bauphysikalisch intelligent kombiniert. Stampflehmwände bringen Masse, Feuchteausgleich und thermische Trägheit in die entscheidenden Bereiche. Eine neue leichte Holzkonstruktion schafft Räume bis in den großen Dachstuhl hinein und ergänzt den Bestand, ohne ihn zu überformen.




Denkmalpflege wird nicht als Stillstand verstanden, sondern als präzise Weiterarbeit am Bestand

Denkmalpflege wird nicht als Stillstand verstanden, sondern als präzise Weiterarbeit am Bestand

Wie entsteht zeitgemäßes Wohnen in einem Gebäude mit niedrigen Höhen, großem Dach und starker Geschichte? Eine zentrale Herausforderung des alten Hofes ist die geringe Kopfhöhe in Teilen des Bestands. Der Entwurf reagiert darauf mit gezielten räumlichen Eingriffen: luftige, teilweise zweigeschossige Raumzonen verbinden unterschiedliche Bereiche, öffnen neue Blickbezüge und bringen Tageslicht tief in das Gebäude. Diese offenen Zonen schaffen Großzügigkeit, ohne den Charakter des Hofes zu verlieren. Wohnbereiche, Seminar- und Bildungsräume, Werkstatt, Gewächshaus und dienende Nutzungen werden zu einer räumlichen Folge verbunden, die den Alltag einer größeren Gemeinschaft ermöglicht. Der große historische Dachstuhl wird dabei als räumliches Potenzial verstanden. Ein verglaster Bereich unter dem traditionellen Dachüberstand ermöglicht die Belichtung des Obergeschosses, ohne die charakteristische Dachform aufzugeben. Der Ausbau setzt auf natürliche, robuste und lokal verfügbare Materialien. Holz, Lehm, mineralische Sockel und regional typische Baustoffe verbinden sich mit erhaltenen Elementen wie Brunnentrögen, alten Holzböden und restaurierten Bauteilen. So entsteht kein museal bewahrter Hof, sondern ein lebendiger Ort für Familien, Gäste, Seminare, Handwerk, Tiere, Gartenarbeit und gemeinsames Lernen.







- title / eindachhof
- location / Black Forest, Germany
- use / housing, agriculture
- work / renovation, listed building
- phase / ongoing
- time / 2024-
- team / Schindler Architekten, Sophia Brauner, Elena Kögel, Constantin Schindler
- photos / Elena Kögel
